Therapie

Ziel einer RSI-Behandlung ist der Erwerb von schmerzfreien und langfristig leistungsfähigen Bewegungsmustern bei der PC-Arbeit und die Möglichkeit, der Berufstätigkeit möglichst uneingeschränkt von Schmerzen nachgehen zu können.

Da bei der Entstehung und Chronifizierung eines RSI-Syndroms immer mehrere patho-physiologische und psychologische Faktoren beteiligt sind, muss auch die Behandlung eines RSI-Syndroms auf multimodaler Ebene stattfinden, d.h. auf unterschiedliche Bereiche des Individuums ausgerichtete Behandlungsstrategien beinhalten. Generell wird außer einer kurzfristigen Ruhigstellung von nur wenigen Tagen nach einer akuten Verletzung von einer sogenannten „Schonhaltung“, d.h. der Vermeidung bestimmter Tätigkeiten, und einer vollständigen Unterbrechung der PC-Arbeit abgeraten!

Medikamentöse Behandlung:

Es hat sich gezeigt, dass die rein medikamentöse oder chirurgische Behandlung eines RSI-Syndroms häufig nur zu einer kurzfristigen Verbesserung der Beschwerden führt, wenn keine weiteren grundlegenden Veränderungen bei der PC-Arbeit, d.h. der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsverhaltens, vorgenommen werden. Eine rein medikamentöse Behandlung mit Analgetika (Schmerzmitteln), z.B. Diclofenac, Ibuprofen, kann eine Chronifizierung des Syndroms sogar fördern, da durch die „künstliche“ Beschwerdefreiheit nötige Pausen bei der PC-Arbeit ignoriert werden, Mikroverletzungen nicht ausheilen können, und somit kumulieren. Eine kontrollierte analgetische Begleitung kann sich bei der Modifikation der Arbeitsweise und dem Neuerwerb alternativer Bewegungsmuster jedoch langfristig positiv auswirken, da sie die Entkopplung zwischen Tätigkeit und Schmerzempfindung unterstützen kann. Gewöhnungs- und Abhängigkeitseffekte von Analgetika sollten dabei beachtet werden.

Physiotherapeutische Behandlung:

Eine begleitende physiotherapeutische Behandlung bei einem RSI-erfahrenen Physiotherapeuten/-in ist ratsam. Im Vordergrund sollten hier aktivierende Maßnahmen, wie Dehn- und Kräftigungsübungen, stehen im Gegensatz zu passiven Behandlungsmethoden, wie Massage etc. Der Einsatz von Wärme- und Kältebehandlungen hängt vom Stadium der Verletzung ab und sollte deshalb nur in Absprache mit dem behandelnden Physiotherapeuten/-in erfolgen. Allgemein ist zu sagen, dass sportliche Betätigungen mit für Arme und Hände kraft-armen Bewegungen, wie Schwimmen, Joggen, Radfahren eine RSI-Behandlung und Prävention positiv unterstützen können.

Psychotherapeutische Verfahren:

Im Fokus stehen hier kognitiv-behaviorale Elemente, d.h. Interventionen die u.a. auf eine Neubewertung der Schmerz- und Arbeitssituation ausgelegt sind, sowie auf konkrete Verhaltensänderungen am Arbeitsplatz abzielen. Hinzu kommen Methoden zur Stressreduktion, Organisation des Arbeitsalltags und muskulären Entspannungsverfahren. Da RSI-Patienten häufig hoch leistungsmotiviert sind, ist gegebenenfalls eine psychotherapeutisch geleitete Reflexion von Leistungsanspruch und Selbstwertgefühl zu empfehlen.

Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung:

Notwendig sind weiterhin eine ergonomisch korrekte Einrichtung bzw. Umgestaltung des PC-Arbeitsplatzes, die Nutzung alternativer Eingabegeräten an Stelle der üblichen PC- Maus und (z.B. vertikale Maus, Stift-Tablets) und „short cuts“, sowie ein angemessenes Pausenverhalten bei der PC-Arbeit.

Ein Beispiel eines multimodal ausgerichteten Therapieansatzes ist das von der Technischen Universität Darmstadt und der Landesanstalt für Arbeitsschutz (LAfA) Nordrhein-Westfalen entwickelte Program „PROFITS„. Aktuelle Kursinformationen finden Sie hier.